Überlingen

Überlingen wurde im Jahre 770 erstmals urkundlich erwähnt. Ein Zeitgenosse Karls des V., der St. Galler Arzt und Humanist Vadian, leitete Überlingens Namen von der „uralt überfar und schiflende“ ab. Das ist zwar ziemlich sicher falsch, da neuere Forschungen Überlingen auf „Iburo“ oder „Eburo“ (= Eber) zurückführen, den Namen eines alemannischen Sippenältesten, aber es weist darauf hin, dass der Ort seit alters her eine wirtschaftliche Schlüsselposition an der schmalsten Stelle des Bodensees hatte.

Um 1180 verlieh Friedrich Barbarossa dem Ort das Marktrecht, 1211 wurde Überlingen das Stadtrecht verliehen und Ende des 14. Jahrhunderts wurde Überlingen schließlich freie Reichsstadt.

Um 1250 wurden der Stadtgraben und die Wälle durch Mauern ersetzt. Diese wurden im Kriegsfall abschnittsweise von den verschiedenen Zünften verteidigt. Um 1300 umschloss ein innerer Mauerring den heutigen Altstadtkern auf der Linie Franziskaner Tor – Rosenobel – St. Johann. Mit dem Bau eines äußeren Mauerrings wurde 1450 begonnen und er wurde 1630 abgeschlossen. Er beschützte auch die Fischerhäuser, die Vorstadt und das "Dorf" und verlief auf der Linie Badturm – Aufkircher Tor – Wagsäulenturm – Wiestor.

Schon vor der Mitte des 7. Jahrhunderts ist Überlingen als Aufenthaltsort eines alemannischen Herzogs erstmals bezeugt. Die Siedlung entwickelte sich bis in staufische Zeit zu einem Getreide- und Weinhandelszentrum und zu einer der wichtigsten Transitstellen am Bodensee. Auf dieser Basis wurde Überlingen, das wohl zwischen 1210 und 1220 Stadtrechte erhalten hat, zur bedeutendsten Reichsstadt neben Lindau im nördlichen Bodenseeraum. Ihre Position als urbaner Mittelpunkt im Linzgau behielt die Stadt auch nach der politischen Neuordnung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die besondere politische und wirtschaftliche Rolle der spätmittelalterlichen Stadt hatte auch zur Folge, dass in Überlingen viele prominente bauliche Einrichtungen entstanden sind, die, wie etwa das Münster, das Franziskanerkloster oder die Stadtbefestigung, zum Teil bis heute das Stadtbild prägen. Das belegt auch nachdrücklich ein Inventar unter der Überschrift "Historische Topographie im Stadtkataster", das allein 260 Objekte historisch beschreibt und kartiert. Mehr über die Stadt erfahren Sie im Internet unter www.ueberlingen.de

Münster St. Nikolaus

Das Überlinger Münster St. Nikolaus, von 1350 bis 1562 erbaut, ist der größte spätgotische Kirchenbau im gesamten Bodenseegebiet und eines der Wahrzeichen des reizenden Bodenseestädtchens, das nicht nur das einzige staatlich anerkannte Premium-Heilbad Baden-Württembergs ist, sondern auch zu den deutschen Städten mit besonders hoher Lebensqualität gehört (Citta-slow).

Die Basilika besitzt einen monumentalen Holzaltar aus unbemaltem Lindenholz von Jörg Zürn (1613 - 1616) aus der Spätrenaissance, ein Meisterwerk des deutschen Manierismus. An einem Pfeiler des Innenraums befindet sich eine Figur von Jakob mit Wanderstab und Jakobsmuschel. An einem weiteren Pfeiler ist eine Kanonenkugel von 1634 befestigt mit der Aufschrift (Originalschreibweise): "Überlingen wollte bezwingen Der Schwedisch Feldmarschall HOX … Drey Stürm hatt Er verloren, Darnach müste Er weichen, MARIA, diß ist dein Sig Zaichen."

Historischer Rathaussaal

Das historische Rathaus Überlingens stammt aus der Zeit der Renaissance und besitzt einen prächtigen Sitzungssaal, den Holzschnittfiguren des Meisters Jakob Ruess schmücken. Das Rathaus zeugt vom Selbstbewusstsein und Reichtum der einstigen Reichsstadt. Es wurde 1492 nach italienischer Manier in Rustikaquadern vollendet – zusammen mit dem Pfennigturm in der Münsterstraße (der städtischen Münze).

Die Holzfiguren im Rathaussaal stellen das Ständesystem des Reiches vom Kaiser über den Kurfürsten bis hin zum Bauern dar und geben so einen Eindruck von den Machtverhältnissen im deutschen Reich zu dieser Zeit, als Kolumbus Amerika entdeckte (der Saal entstand zwischen 1492 und 1494). Der historische Rathaussaal wird auch heute noch als Sitzungssaal genutzt. Eine Besichtigung ist nur mit Führung möglich: von Mai bis September montags bis donnerstags um 11 Uhr und 14 Uhr sowie freitags um 11 Uhr; von Oktober bis April mittwochs um 11 Uhr, sowie dienstags und donnerstags um 14 Uhr (Eingang jeweils am Münsterplatz).

Sylvesterkapelle (Goldbach)

Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Sylvesterkapelle wenig beachtet. In mehreren Phasen wurden dann jedoch Wandmalereien und Inschriften in dem unscheinbaren Kirchenbau entdeckt, darunter ein Gedicht, in dem ein alemannischer Graf Alpger erwähnt wird, der die Kirche "mit Hilfe Gottes errichtet" haben soll, "damit sich mit dem Gotteslob der Siegerpreis des Schutzpatrons verbinde, und damit ich (= Graf Alpger) durch seine Verdienste ewigen Lohn ernte." Das in Pentametern abgefasste lateinische Gedicht findet sich auch in der vatikanischen Handschrift Reg. lat. 469, einer Sammlung von Gedichten eines gewissen "Walahfrids", um 850 in Fulda verfasst, unter dem Titel in ecclesia sancti martiani · In golhdbah (= In der Kirche des heiligen Marcianus in Goldbach).

Offenbar hatte der Dichter Walahfrid sein Gedicht im Auftrag des Grafen Alpger für die kleine Goldbacher St. Marcianus Kirche verfasst, die dieser für sein Seelenheil stiftete. Dazu besaß Alpger sehr wahrscheinlich Reliquien des Heiligen Marcianus aus der ehemaligen oberitalienischen Feste Tortona (nahe Pavia), anders hätte seine Stiftung kaum das Marcian-Patrozinium erhalten.

Eine Erklärung dafür, wie Alpger in Tortona an Reliquien des Heiligen Marcianus herangekommen sein könnte, wäre eine führende Rolle in Tortona, z. B. als Festungskommandant. Vielleicht hat Graf Alpger sogar bei der Festsetzung oder Befreiung von Kaiserin Judith eine maßgebliche Rolle gespielt, die in Tortona 833 von ihren aufständischen Stiefsöhnen gefangen gehalten wurde. Relativ gesichert ist, dass Alpger ein am Kaiserhof einflussreicher Graf aus dem Linzgau war, der sowohl Pippin als auch dessen Vater Karl dem Großen und eventuell auch Ludwig dem Frommen als Ratgeber diente und Walahfrid zwischen 829 und 838 am Kaiserhof in Aachen begegnet ist. Das Datum des Kirchenbaus ist wahrscheinlich um 840 anzusiedeln, sie ist damit einer der ältesten Kirchenbauten am Bodensee und eines der ganz frühen christlichen Zeugnisse am Bodensee. Dass die von einem bekannten karolingischen Dichter verfasste Inschrift original an ihrem Ursprungsort erhalten ist, macht die Kirche absolut einmalig.

St.-Jodok-Kapelle

Ein frommer, reicher Überlinger namens Burkhart Hipp stiftete die Kapelle im Jahr 1424, die dann 1462 durch die St. Jakobsbruderschaft dem heiligen St. Jodok geweiht wurde. Erkennbar ist das auf einem Schlussstein im Chorgewölbe, auf dem der Heilige dargestellt ist. Vom heiligen St. Jodok wird berichtet, dass er der Sohn eines bretonischen Königs war, der ca. 636 von seinem Bruder die Frau und Königskrone übernehmen sollte. Jodok zog es jedoch vor, als Einsiedler ein frommes Leben zu führen und entsagte der weltlichen Herrschaft. Wer weiß, vielleicht hat ihm seine Schwägerin einfach nicht nicht gefallen!

Die spätgotischen Malereien in der St.-Jodok-Kapelle erzählen lebensnahe Legenden, die dem Betrachter den "rechten Weg" aufzeigen sollen. Eine Skurrilität am Rande: Den Schlüssel zu der Kapelle erhalten Besucher auf Nachfrage im neben der Kapelle gelegenen Geschäft.

Greth

Das einstige städtische Handels- und Kornhaus beherbergt heute eine Markthalle, Restaurants, Einzelhandelsanbieter, ein Kino sowie die Werbeagentur vergissmeinnicht.

Vier große Tore öffneten sich früher zu See hin. Sie waren mit Nachen befahrbar und hier wurden die Waren angeliefert oder über den See verschifft. Neben Getreide war vor allem Wein der Exportschlager der Überlinger. Hölzerne und mit so genanntem Umschlitt (= Rindertalg) abgedichtete Weinfässer nahmen von der Greth ihren Weg ins Hinterland oder in die Schweiz. An die Rolle als ehemaliger Getreidemarkt erinnern noch das Ähren-Relief an der Nordfassade der Greth und die alte Marktglocke.

Die Greth ist eines der wenigen gelungenen Beispiele für ein so genanntes Public Private Partnership Projekt. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt war die Greth alles andere als das repräsentative, anziehende Schmuckstück als das es sich heute darstellt. In ihrem Dachstuhl stand der Taubenmist meterhoch und das denkmalgeschützte Gebäude war in einem erbarmungswürdigen Gesamtzustand. Ohne engagierte und weitsichtige Überlinger Bürger und Investoren wäre die Greth heute wohl kaum das heimliche Herz der Stadt.

In der CineGreth, dem Kino unter dem Dach der Greth, fand 2007 übrigens auch die Premiere von "Ein fliehendes Pferd" statt, die Verfilmung der gleichnamigen, am Bodensee spielenden Novelle des Büchnerpreisträgers Martin Walser, der im Überlinger Stadtteil Nußdorf lebt.


Das Würth'sche Saufwegle

Der Großherzoglich Badische Bezirksarzt und Medizinalrat Eduard Würth war dem Alkohol so freundschaftlich zugetan, dass die beiden sich das "Du" angeboten hatten. Allein, die "Verkehrsverhältnisse" in Überlingen waren Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nicht dazu angetan, Zecher und Quartalssäufer trockenen Fußes und ohne mögliche Stolperfallen sicher nach Hause zu geleiten. Vor allem dann nicht, wenn ihre Sinne schon etwas umnebelt waren. Damals gab es noch keine befestigten Bürgersteige wie heute.

Die hochprozentige Würth'sche Lösung: Der Medizinalrat verordnete sich selbst 1904/05 einen wetter- und trinkfesten Weg aus breiten, teuren Tessiner Gneisfliesen, den er der Stadt und damit sich selbst spendierte. Sein gepflastertes "Saufwegle" führte von seinem Stammlokal "Christophkeller" (das befand sich kurz vor dem ehemaligen Kaufhaus May, heute Drogeriemarkt Müller) zu seinem Wohnhaus (jetzt: Park-Café). Noch heute kann man den hübschen Pflastersteinen auf den Spuren des trinkfesten Medizinalrates durch die Stadt folgen.

Historische Stadtbefestigung

Wahrscheinlich um 1250 wurden Stadtgraben und Wälle durch Mauern ersetzt. Um 1300 umschloss ein innerer Mauerring den heutigen Altstadtkern auf der Linie Franziskaner Tor – Rosenobeltum – St. Johann-Turm. Der äußere Mauerring wurde 1450 begonnen und erst 1630 abgeschlossen. Er schützte auch die vormals außerhalb der Befestigung gelegenen Fischerhäuser, die Vorstadt sowie das so genannte „Dorf“ und verlief auf der Linie Badturm – Aufkircher Tor – Wagsäulenturm – Wiestor.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen noch die meisten der zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert entstandenen 15 Türme und 11 Tore der Stadt. Das Obertor am Ende der Gradebergstraße wurde 1880 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Das Grundtor im Westen beim Badhotel und das Christophtor verschwanden Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts ebenso wie das Hölltor im Osten. Das Wiestor mit seiner doppelten Toranlage und das Scherentor mussten leider dem Verkehr weichen. Die Tore und Türme der Seefront fielen der Neuanlage und dem Ausbau der Seestraße zum Opfer.

Doch selbst heute noch erkennt man die Konturen des ehemaligen Grabensystems (Mantelhafen bis St. Johann-Turm), das den inneren Verteidigungsring umgab. Vom St. Johannsturm zur Gradebergstraße ist der Stadtgraben zwar nicht mehr begehbar. Von der Gradebergstraße aus führt jedoch ein romatischer Fußweg entlang der alten Stadtmauer zum Rosennobelturm, dem nördlichen Eckpfeiler des inneren Verteidigungsrings. Der so genannte "Graben" ist bis zu 22 m tief in den Molassefelsen eingeschnitten. Was viele Besucher für natürliche Felsformationen halten, wurde alles von Menschenhand in den weichen Sandstein getrieben.

Noch eine Besonderheit: Im so genannten Blatterngraben befand sich eine von geistlichen Schwestern betriebene Isolier- und Versorgungsstation für die an Pest, Pocken (= Blattern) oder Lepra Erkrankten.

Innerer Mauerring (um 1300)
NameDetailinformationen

Franziskaner Tor

einer der schönsten gotischen Torbauten des Bodenseegebietes; errichtet 1495, begrenzt nach Norden den ältesten Stadtkern

Rosennobelturm

war ursprünglich quadratisch gebaut, wurde von den Schweden 1634 zerschossen und 1657 als Rundturm neu errichtet; ursprünglich der nördlichste Eckpfeiler der inneren Befestigungsanlage; als letzter der Türme 1657 zu einem Rundturm ausgebaut; seine Wandstärke beträgt über 10 m (!)

St. Johann-Turm

an der östlichen Stadtmauer gelegen; 1522/23 erbaut; seine jetzige Höhe von 37 m erhielt er 1632; im Jahr 1634, während der Belagerung durch die Schweden, war der Turm Hauptstützpunkt der Überlinger Artillerie

Stadtgraben

in ihrer Art deutschlandweit einmalige Verteidigungsanlage; bestehend aus mehreren in den Sandstein gehauenen, früher durch Mauern verstärkte, bis zu 22 m tiefe und 20 m breite Gräben, die nicht nur um die Altstadt verlaufen sondern auch mitten hindurch; ein großer Teil des ehemaligen Stadtgrabens ist heute zugänglich und bildet einen stadtkernnahen Grüngürtel, durch den romantische Spazierwege führen

Äußerer Mauerring

NameDetailinformationen

Aufkircher Tor

nach dem Dorf "Aufkirch" oberhalb von Überlingen benannt, wo sich St. Michael befindet, die ehemalige Mutterkirche der Stadt Überlingen; zwischen Wagsauter- und Gallergraben am Ausgang des "Dorfes" gelegen; erstmals 1452 erwähnt, als Vorstadt und "Dorf" in das äußere Graben- und Mauersystem einbezogen wurden; früher führte vor dem Tor eine Zugbrücke über den Stadtgraben, der unmittelbar vor dem Tor verfüllt wurde; markiert es die nördliche Stadt- und Befestigungsgrenze bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit um 1802/03

Wagsauterturm

nördlichster Eckpunkt der äußeren Befestigungsfront, in den 50er Jahren neu aufgebaut

Gallerturm

zwischen 1450 und 1630 entstanden; überragt den unteren Teil des Überlinger Stadtgartens; unterhalb des Turms beginnt das einst als Befestigungsanlage in den Molassefelsen geschlagene System des Stadtgrabens

Badturm

Uferpromenade

Mit etwa 5 km Länge gilt die Überlinger Uferpromenade als die längste und vor allem auch als die schönste am gesamten Bodensee. Pünktlich zu Landesgartenschau 2020 soll sie sogar noch verlängert werden.

Der schönste Teil der Promenade führt vom Mantelhafen an der Greth, am Landungsplatz, Kursaal und Badgarten vorbei bis hin zur Therme. Sehr sehenswert ist der wundervolle Badgarten mit seinem herrlichen alten Baumbestand von hohem botanischem Wert sowie einem alten Badehäuschen, das leider nicht mehr benutzt wird und auch nicht zugänglich ist.

Bad- und Stadtgarten werden durch die Bahnhofstraße getrennt. Viele Touristen lernen lediglich den Badgarten und nicht den wesentlich größeren Stadtgarten kennen, der mit den steil ansteigenden Molassefelsen und dem darin integrierten System der historischen Stadtgräben eine Einheit bildet. Botanisch Interessierte sollten sich den sogenannten "Überlinger Gartenkulturpfad" als eine Art "Grünen Stadtrundgang" nicht entgehen lassen. Informationen dazu sowie einen Flyer erhalten Sie bei der Überlinger Kur und Touristik.

Stadtpark & Kakteengarten

Eine der bedeutendsten botanischen Sehenswürdigkeiten am Bodensee ist der Überlinger Stadtgarten, dessen Besichtigung kostenlos ist. Von vielen Besuchern wird der Überlinger Stadtgarten liebevoll als "die kleine Mainau" tituliert. Und tatsächlich: Bei näherem Hinsehen entdeckt man viele seltene exotische Pflanzen, wertvolle Bäume, ein Rehgehege, einen Rosengarten und eine Fuchsienwiese. Besonders der Kakteengarten ist einmalig und eine der größten und bedeutendsten Freilandsammlungen in ganz Europa.

2010 gab es übrigens eine Besonderheit im Stadtgarten zu bewundern: Ein Uhu-Paar zog hier sein Junges auf. Hoffentlich passiert das auch in den kommenden Jahren.

Haustierhof Reutemühle

Der Tier- und Haustierhof Reutemühle ist ein schönes und sehr beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern und Hunden und nach eigenem Bekunden Deutschlands artenreichster Bauernhof. Ein kleiner Familienzoo zum Anfassen – so könnte man das sympathische Konzept der Reutemühle auf den Punkt bringen.

Auf dem ausgedehnten Terrain der Reutemühle kann man sowohl Haustiere als auch einige exotische Tiere bewundern – insgesamt über 200 verschiedene Arten. Toll für Familien mit kleineren Kindern: Man kann die meisten Tiere (mit käuflichem Futter) füttern, manche sogar streicheln oder – im Fall der Ponys – reiten. Überall sind Bänke für die Eltern und Spielgelegenheiten für die Kleinen. Und in der Kellerschenke am Eingang gibt es Getränke und einfache Gerichte.

Vor allem für Stadtkinder lohnt sich der Besuch der Reutemühle: Hinterher können die Kleinen tatsächlich Gans von Huhn und Ziege von Schaf unterscheiden.

Von April bis Oktober hat der kleine Zoo vor Überlingens Toren ganztägig von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet (letzter Einlass ist um 18:00 Uhr!), von November bis März nur an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen sowie in den Schulferien. Mehr über die Reutemühle erfahren Sie im Internet: www.haustierhof-reutemuehle.de

Der Stollen

Auch die düsterste Seite der deutschen Geschichte hat in Überlingen Spuren hinterlassen – den KZ-Friedhof bei der Birnau und den so genannten "Stollen". Bei Letzterem handelt es sich um ein künstlich in nur sechs Monaten von Dachauer KZ-Häftlingen angelegtes, insgesamt 4,3 km langes Stollensystem im Molassefelsen auf Höhe des Campingplatzes an der Bahnlinie nahe Goldbach.

Der Plan dazu entstand nach einem verheerenden Luftangriff der Alliierten auf Friedrichshafen am 28. April 1944, der den dortigen, "kriegswichtigen" Rüstungsbetrieben Zeppelin, Dornier, Maybach sowie der Zahnradfabrik ZF galt und diese sowie große Teile Friedrichshafens zerstörte. Aufgrund der Luftüberlegenheit der Alliierten befahl Hitler statt eines Wiederaufbaus die bombensichere "U-Verlegung" (= die Untertage-Verlegung) der Unternehmen. Wichtigstes Projekt in diesem Zusammenhang war der Überlinger Stollen unter dem Decknamen "Magnesit", wo eine 40.000 qm große Produktionsflächen für die vier Firmen geschaffen werden sollten. Anfang Juni 1944 wurde mit dem Bau begonnen. In nur 100 Tagen, pünktlich zum Geburtstag des Führers – so der wahnwitzige Plan – sollte das Bauwerk fertiggestellt sein.

Die Bauüberwachung für das Geheimprojekt "Magnesit" oblag der "Organisation Todt" (OT), einer nach militärischem Vorbild organisierten Bautruppe, die den Namen ihres Führers Fritz Todt trug. Sie wurde vor allem für Baumaßnahmen in den von Deutschland besetzten Gebieten eingesetzt. Ab Sommer 1943 war sie aber auch vermehrt im Reichsgebiet mit dem Ausbau von Luftschutzanlagen für die Zivilbevölkerung und der Untertageverlagerung von Industriebetrieben beauftragt.

Für die Spreng-, Grab- und Abräumarbeiten wurden Häftlinge aus Dachau herbeitransportiert, bewacht von SS-Leuten. Die zumeist "politischen Häftlinge" des neu geschaffenen Lagers Aufkirchs, Außenstelle des KZs Dachau, verrichteten diese Arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Es waren in der Hauptsache Italiener und Slowenen, aber auch Franzosen, Russen, Ukrainer, Tschechen, Polen, aber auch einige Österreicher und Deutsche.

Die Zahl der Opfer ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich an die 200 Menschen wurden hier ganz bewusst "durch Zwangsarbeit vernichtet". Sie starben an Hunger, Entkräftung, Krankheiten, Verletzungen in Folge von Unfällen oder auch durch willkürliche Gewalteinwirkung (10 der im Degenhardter Wäldchen notdürftig verscharrten 97 Leichen wiesen Schussverletzungen auf, ein Zehntel aller Leichen Hundebisse, ein Toter trug noch eine Schlinge um den Hals). Der Tod der Häftlinge wurde nicht etwa nur in Kauf genommen, er wurde geplant: Statt der 3.000 Tageskalorien, die Schwerstarbeiter benötigen, erhielten die Häftlinge lediglich zwischen 600 und 800 Kalorien täglich.

Zum Gedenken an die Opfer wurde auf Höhe der Klosterkirche Birnau am Waldrand ein KZ-Friedhof errichtet. Seit den 80er Jahren finden Führungen statt. Ein Verein erhält den Stollen und das Gedenken an die Opfer. Regelmäßige Führungen finden jeden ersten Freitag im Monat um 17 Uhr statt. Treffpunkt ist der Stolleneingang, Obere Bahnhofstraße (neben dem Wirtshaus zum Felsen; warme Kleidung und festes Schuhwerk sind zu empfehlen). Mehr darüber im Internet unter: www.stollen-ueberlingen.de